Montag, 8. September 2008

Signals

Langfrist-Indikatoren geben Warnsignale

Ein weiterer Indikator für den Aktienmarkt mit einem noch längeren Zeithorizont ist das System der Kreuzungen in den Verläufen der exponentiell gleitenden 10- und 20-Monats-Durchschnitte in Verbindung mit dem 13-Monats-RSI. Dieses System ist noch träger als das bereits besprochene, hat die Anleger jedoch über den Hauptzeitraum der Hausse (Baisse) erfolgreich im (aus dem) Markt gehalten. Ein erstes Warnsignal erhalten wir mit diesem System, wenn der S&P-500 am Monatsende unterhalb des 20-Monats-Durchschnitts schließt. Dies ereignete sich Ende Januar, weit vor dem Ende Mai eingetretenen bärischen Kreuzungspunkt. Die Bestätigung der sich hier abzeichnenden Probleme erfolgte, als der 13-Monats-RSI Ende Januar unter die Marke von 50 sank und dessen Verlauf weiterhin abwärts gerichtet ist. Die 10- und 20-Monats-Durchschnitte tendieren ebenfalls nach unten und deuten damit an, dass die Ausbildung eines langfristigen Kaufsignals noch Monate dauern könnte.

Wir können zusätzlich den Monats-MACD hinzuziehen, der das gleiche Ergebnis liefert. Dieser sehr langfristige Indikator generierte Ende 2007 ein Verkaufssignal und fiel erst vor kurzem unter die Nulllinie, womit er das bärische langfristige Momentum bestätigte.

Extreme Niveaus von Angst und Pessimismus

Wie bei jeder Investmenttechnik, so sind auch hier nicht alle Indikatoren nur in eine Richtung interpretierbar. Im Verlauf der Baisse sanken einige Marktstimmungsindikatoren auf extreme Niveaus von Angst und Pessimismus, ein in unseren Augen letztlich positives Zeichen. Nach unserer Überzeugung sind Emotionen wie Panik, Verzweiflung und Depression unter Anlegern die Grundvoraussetzung für eine langfristige Bodenbildung des Marktes im Anschluss an eine Baisse oder größere Korrektur.

Entsprechende Ausprägungen dieser Emotionen konnten wir in einigen der von uns beobachteten Stimmungs- und Konsumklimaindikatoren feststellen. Die von Investor's Intelligence durchgeführte Umfrage zeigte Mitte Juli den größten Anteil an Pessimisten seit der zweiten Jahreshälfte 1994 (eine sehr gute Zeit, um sein Geld anzulegen). Im März ermittelte die Consensus-Umfrage die höchste Pessimistenquote seit 2002, während die Umfrage von Market Vane den größten Bärenanteil seit Anfang 2003 ergab. Die auf alle Optionen bezogenen Put/Call-Ratios an der Chicagoer Optionsbörse (CBOE) verfehlten im März nur knapp ihre Allzeithochs, derweil die rein auf Aktienoptionen bezogenen Put/Call-Ratios an der CBOE im März und April dieses Jahres auf neue Rekordmarken kletterten.

Ein weiteres, potenziell positives längerfristiges Signal ist die Entwicklung der wöchentlichen Momentum-Indikatoren. Der 14-Wochen-RSI hat nach seinem Vorstoß in überverkauftes Terrain im Januar eine bullische Divergenz ausgebildet. Dieser Indikator hat zwar bereits höhere Tiefs verzeichnet, bislang jedoch noch nicht die Reihe höherer Hochs durchbrochen. Der Wochen-MACD hat ebenfalls eine bullische Divergenz gebildet - zum ersten Mal seit Ende 2002/Anfang 2003.

Es gibt zwar Anzeichen einer möglichen Bodenbildung des Marktes, nach unserer Einschätzung legt eine überwältigende Fülle technischer Signale jedoch den Schluss nahe, dass sich der Markt noch nicht von den Fesseln der Baisse befreit hat.

Keine Kommentare: