Samstag, 13. September 2008

Mikrofinanz

Mikrokredite sind Kleinstkredite von einem Euro bis unter 1.000 Euro an Kleingewerbetreibende überwiegend in Entwicklungsländern. Sie sind neben Mikroversicherungen und micro savings eine wesentliche Mikrofinanz-Dienstleistung. Die Kredite werden in der Regel von spezialisierten Finanzdienstleistern und nichtstaatlichen Organisationen meist zur Förderung der Entwicklung vergeben.
Inhaltsverzeichnis
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* 1 Geschichte
* 2 Arbeitsweise
* 3 Refinanzierung
* 4 Armutsbekämpfung
* 5 Kritik
* 6 Mikrokredit in Deutschland
* 7 Mikrokredit-Institute
* 8 Einzelnachweise
* 9 Literatur
* 10 Weblinks

Geschichte [Bearbeiten]

Mikrokredite sind ein Instrument der Entwicklungspolitik. Sie sind jedoch keine neue Erfindung. Schon das vor 150 Jahren entwickelte Raiffeisen-Modell basiert auf dem Selbsthilfe- und Solidaritätsprinzip, nach dem heute viele Mikrofinanzinstitute in den Entwicklungsländern arbeiten. Schon 1976 gab es in Bangladesch ein derartiges Programm, das von Muhammad Yunus initiiert wurde, und aus dem 1983 die Grameen Bank hervorging.

Nach Europa kehrte diese Idee Anfang der 1990er-Jahre zurück, als sich für die ständig steigende Zahl der Existenzgründer aus der Arbeitslosigkeit eine zunehmende Finanzierungslücke zeigte. In den Niederlanden entstand das Modell Tante Agathe zur Aktivierung von Privatkapital für Existenzgründer. In Frankreich wurde 1996 die gemeinnützige Adie gegründet, die inzwischen (März 2007) rund 100 Zweigstellen hat und jährlich über 10 000 Mikrokredite an Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger vergibt. [1]

Im Jahr 2006 erhielten Yunus und die Grameen Bank den Friedensnobelpreis für die Bemühungen um die „wirtschaftliche und soziale Entwicklung von unten“.

1995 gründete die Weltbank die Consultative Group to Assist the Poor (CGAP, „Beratungsgruppe für die Unterstützung der Armen“) mit dem Ziel, 200 Millionen US-Dollar für die Vergabe von Mikrokrediten zu mobilisieren. Ein erster Höhepunkt der Entwicklung war der Microcredit Summit im Jahr 1997.

Die Vereinten Nationen sehen in der Mikrofinanzierung ein wichtiges Instrument zur Erreichung der Millenniumsziele zur Reduktion von Armut. Sie haben 2005 zum Jahr der Mikrokredite ausgerufen.

Seit 2006 gibt es im Internet die Möglichkeit, Mikrokredite direkt an einen selbst ausgesuchten Kreditnehmer in einem Entwicklungsland zu vergeben.[2]

Arbeitsweise [Bearbeiten]

Die Rückzahlungen sollen in einer sozial akzeptablen Weise ermöglicht werden, dafür gibt es spezielle Kredittechnologien:

* Es wird ein Folgekredit in Aussicht gestellt.
* Gruppenbildung: Fünf bis sechs Kreditnehmer erhalten abwechselnd einen Kredit und bürgen füreinander.
* Kundenkontakt: Die Mikrobank prüft das Geschäftsmodell des Kreditnehmers gründlich und passt die Rückzahlungsintervalle und -raten dem Geldfluss des Unternehmens an (wöchentliche oder monatliche Rückzahlung).
* Fokussierung auf Frauen: Viele Mikrofinanzorganisationen vergeben Kredite nur an Frauen, da diese als kreditwürdiger und verlässlicher empfunden werden.

Zinsen sind in vielen Mikrokredit-Programmen einfache Zinsen (Restwertabschreibung) und keine Zinseszinsen.[3]

Durch Einhaltung dieser Regeln und wachsende Professionalisierung erzielen viele Mikrofinanzinstitute oft Rückzahlungsquoten von 95 bis 100 Prozent. [4] Der effektive Jahreszins für solche Mikrokredite liegt deutlich über dem klassischer Kredite, häufig über 20 % p. a. Dies wird begründet mit den höheren Kosten und der notwendigen intensiven Beratung, die Mikrokredite verursachen.

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