Donnerstag, 18. September 2008

Bankkrisenmanagement - Europa versus US

Schuster: Die USA sind beim Aufräumen in vielenFällen weiter als wir in Europa. Europäer und Amerikaner gehen sehr unterschiedlich mit Krisen um, in den USA ist man viel radikaler bei der Problembewältigung. Da arbeitet man das raschest auf, mit Blut, Schweiß undTränen. Schauen Sie nur, die Lehman-Mitarbeiter stehen schon auf der Straße - finito. Da lässt man völlig leidenschaftslos Banken auch pleite gehen, in Europa schiebt man die Dinge vor sich her. Bedenken Sie nur, wie lange der Krampf beider britischen Bank Northern Rock oder der deutschen IKB gedauert hat. Dass die Europäer das gleiche Krisenmanagement wie die Amerikaner haben, das müssen sie erst sie beweisen.

STANDARD: Europa wird jedenfalls in Folge der Krise noch ordentlich bluten müssen, glauben Sie nicht?

Schuster: Ich hoffe, dass es für die europäischenBanken nicht so schlimm wird, aber es kommen schon noch einige Krisen auf uns zu. Wobei Österreich und Osteuropa - bis auf Russland und Kasachstan - von der Finanzkrise weitgehend verschont bleiben werden, vorausgesetzt, es kommt zu keiner großenRezession. Die österreichischen Banken sind einfach besser aufgestellt als die Konkurrenz, die haben genug Geschäft im Osten gemacht. Die anderen haben gemeint, sie können Geschäfte mit enormen Investitionen in die so genannten Ramschhypotheken machen, sie haben da unglaublich stark zugeschlagen - das hat ihnen aber niemand angeschafft. Die Europäer haben sich die Krise ganz freiwillig in ihre Länder geholt

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