Samstag, 11. Oktober 2008

Soziale Marktwirtschaft versus Turbokapitalismus

In Wahrheit müsste der amerikanische Staat die Banken neu mit Eigenkapital versorgen - frisches Geld gegen Aktien. Das hat die britische Regierung vor wenigen Tagen getan. Das ist eine Teilverstaatlichung und mit der Ideologie der Bush-Regierung wie mit dem angelsächsischen Kapitalismusverständnis kaum vereinbar. Dennoch hat US-Finanzminister Hank Paulson, ein ehemaliger Wall-Street-Banker, angedeutet, man würde doch über den eigenen Schatten springen. Die Welt hält also den Atem an, was übers Wochenende geschieht.

Die Finanzkrise, auch wenn sie irgendwie glimpflich endet, wird bereits als das Ende des angelsächsischen Turbo-Kapitalismus gesehen. Auf jeden Fall ist sie das Ende des korrupten, von arroganten und engstirnigen Chief Executives und ihren politischen Hintermännern getragenen "Bush- Kapitalismus". Und sie könnte auch das Ende der Präsidentschaftsambitionen von John McCain sein, der mit Bush identifiziert wird. Tatsächlich versucht das McCain-Lager derzeit verzweifelt, die Debatte auf Barack Obamas angeblich frühere Verbindungen mit einem Altradikalen aus den Siebzigerjahren zu lenken. Obama scheint nämlich in entscheidenden Bundesstaaten wie Ohio bei der wahlentscheidenden Schicht der konservativen Arbeiter endlich Erfolg zu haben. Von Obama hört man allerdings nichts besonders Erhellendes zur Finanzkrise. Aber alles ist besser als der völlig diskreditierte Bush/McCain-Kapitalismus.

Die Zerstörung des angelsächsischen Laisser-faire-Kapitalismus bedeutet nicht, dass die Marktwirtschaft - oder besser: die soziale Marktwirtschaft - damit hinfällig wäre. Das europäische Modell der Marktwirtschaft wurde allerdings zuletzt durch das US-Modell verdrängt. Wenn und falls alles überstanden ist, wird man darüber reden müssen.

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