Sonntag, 19. Oktober 2008

Buffet I

Buffett steht damit in starkem Kontrast zu den Baronen der Wall Street, jenen nahezu feudalistisch auftretenden Investmentbankern, die seit den 80er-Jahren zum Inbegriff des modernen Finanzkapitalismus wurden – und sich jetzt am Pranger wiederfinden.

Modern und Teil des Mainstream zu sein, darauf hatte Buffett, der zu den Financiers alter Schule zählt, noch nie Wert gelegt. Zu Berkshires Beteiligungen gehören Versicherer wie Geico Auto Insurance oder General Re, Textilkonzerne wie Fruit of the Loom und Getränkehersteller wie Anheuser-Busch oder Coca-Cola. Technologieunternehmen sind kaum vertreten, da Buffett ihre Geschäftsmodelle für zu unsicher hält. Seine beharrliche Weigerung, in Hightech zu investieren, brachte ihn in den Neunzigern in Bedrängnis.

Doch Buffett steckte nicht nur ein, er teilte auch aus. In einer der Schlüsselpassagen des Buches schildert Schroeder, wie Buffett bei einer Investorenkonferenz im Juli 1999 – kurz vor dem Höhepunkt der Dotcom-Euphorie – den ungläubig zuhörenden Gipfelstürmern der New Economy ihren baldigen Absturz voraussagte. Das war eine gezielte Provokation, ebenso wie seine Warnung vor Derivaten als „ökonomische Massenvernichtungswaffen“ lange vor dem Subprime- Debakel. Der Baseball-Fan, der seit Jahrzehnten immer die gleichen, unscheinbaren, graubraunen Anzüge und die gleiche Hornbrille zu tragen scheint, der im gleichen bieder eingerichteten Büro arbeitet wie vor 30 Jahren, repräsentiert den Inbegriff des ehrlichen, hart arbeitenden Investors, dem Gier ebenso abhold ist wie Pomp oder großspurig vorgetragene Zukunftsvisionen. Zu seiner demonstrativen Bescheidenheit passt, dass er als Vorstand seiner Holding ein vergleichsweise lächerliches Gehalt von 100.000 Dollar bezieht.

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