Die Komplexität der Finanzwelt ist derzeit zu hoch", sagte er heute eindringlich zur Tagungseröffnung; er wurde nebenbei in den Ehrensenat der Stiftung Lindauer Nobelpreisträger am Bodensee aufgenommen. Die Finanzmärkte, ergänzte Nobelpreisträger Scholes, hätten sich in eine geradezu vertrackte Lage manövriert. "Über Jahrzehnte haben die Banker immer neue und buntere Produkte entwickelt, die ihre Gewinne schön in die Höhe trieben. Aber sie haben kein einziges Produkt auf den Markt gebracht, das Menschen helfen würde, in Krisen nicht unter der Last ihrer Finanzprobleme zusammenzubrechen", sagte Joseph Stiglitz, der im Jahr 2001 mit dem Wirtschaftsnobelpreis ausgezeichnet worden ist.
Sogar gegen den Widerstand der Finanzgemeinde Amerikas habe die ehemalige US-Regierung um Ex-Präsident Bill Clinton beispielsweise für die Einführung trickreicher Finanzangebote kämpfen müssen, deren Verzinsung sich nach der Inflationsrate richtet. In Phasen hoher Teuerungsraten, die derzeit nahezu in allen großen Volkswirtschaften herrschen, hätten Sparer so immerhin ein Mindestmaß an Sicherheit. Stiglitz zählte seinerzeit zu Clintons Wirtschaftsberatern. "Dieses ganze Bankensystem gehört reformiert", sagte Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus. "Das ganze westliche Bankensystem ist nur auf Profit ausgerichtet, und wenn sie mal kein Geld verdienen, soll dafür der Steuerzahler einspringen. Ich ahne: Da ist etwas faul", sagte Yunus.
Geradezu blind seien viele Banker in die aktuelle Krise geschlittert, warf Myron Scholes den Managern der Geldinstitute dann auch vor. "Viele müssen nicht nur lernen, ihre eigenen Risiken besser einzuschätzen, sondern auch zu wissen, was ihre Bankierskollegen zur gleichen Zeit unternehmen, um deren Kreditrisiken im Griff zu behalten." Das muss der Moment gewesen sein, als Nobelpreiskollege Stiglitz auflachte, wie einer, der den Glauben verloren hat.
Freitag, 22. August 2008
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