Der Ölpreis ist zuletzt kräftig unter Druck geraten, und die Weltwirtschaft kühlt sich ab. Da dürfte sich der Auftrieb bei den Preisen bald wieder verlangsamen. Schauen Sie sich nur den Goldpreis an, der normalerweise steigt, wenn sich die Welt vor einer Inflation fürchtet. Zuletzt ist Gold aber wieder deutlich auf 800 Dollar gefallen.
WELT ONLINE: Dann übertreibt es die Europäische Zentralbank (EZB) also mit ihrem relativ strikten Stabilitätskurs?
Mundell: Ich möchte ausdrücklich nicht in die allgemeine Kritik einstimmen, die auch hier in Lindau zu hören war. Meines Erachtens haben die europäischen Währungshüter aber einen kapitalen Fehler begangen. Sie haben den Euro zu stark werden lassen im blinden Vertrauen darauf, Europa sei wirtschaftlich widerstandsfähig genug, um sich auch von einem Abschwung der amerikanischen Volkswirtschaft abzukoppeln. Diese Hoffnung hat sich nun als trügerisch erwiesen. Wie bereits in der letzten Rezession nach der Jahrtausendwende folgt die Alte Welt der US-Ökonomie mit einem Abstand von acht Monaten in den Abgrund.
WELT ONLINE: Also sind die Leitzinsen doch zu hoch, wie Ihre Nobel-Kollegen sagen.
Mundell: Das Problem sind nicht Leitzinsen, sondern dass die Europäer tatenlos zugeschaut haben, wie der Euro immer stärker wurde.
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Aus WELT ONLINE: Was hätten sie denn tun sollen?
Mundell: Ganz klar: intervenieren, und das entschlossen und mit Ansage. Damit meine ich, dass man vorher einen Zielkurs definieren muss, den man im Zweifel auch bereit ist, zu verteidigen.
WELT ONLINE: Aber wäre das nicht geradezu eine Einladung für Händler, dagegen zu spekulieren?
Mundell: Grundsätzlich schon. Schließlich sind an den Devisenmärkten täglich zwei Billionen Dollar unterwegs. Interventionen in einem solchen Umfeld sind vergleichbar mit einem Feldzug. Und so, wie man nicht einen Krieg so hopplahopp über Nacht beginnt, weil man Truppen aufbauen und eine langfristige Strategie entwerfen muss, ist auch bei Eingriffen am Devisenmarkt ein Schlachtplan nötig. Die vorher festgelegte Zielmarke wird wie eine Sta
Samstag, 23. August 2008
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