Freitag, 2. August 2013

Lockere Zinspolitik

Sorge bereitet dem IWF aber vor allem der absehbare Ausstieg aus der extrem lockeren Geldpolitik in den großen Industrieländern. Einer solchen Geldpolitik wohnten Risiken inne, die sich, wenn sie ausläuft, in ungeordneten Marktentwicklungen niederschlagen könnten, warnte der Fonds. Die hohe Volatilität auf den Märkten in den vergangenen Wochen belege diese Gefahren.

Gefahren durch Niedrigzinsen wachsen

Generell gelte: Je länger die Geldpolitik locker bleibt, desto größer werde das Risiko von Negativeffekten. Zudem berge sie die Gefahr, dass nötige Reformen unterbleiben. Würde die Politik ihre ureigenen Instrumente - finanzpolitischer Art und Strukturreformen - besser nutzen, müsste sie sich weniger auf die stark expansive Geldpolitik zur Problemlösung verlassen, klagte der Fonds. Hausaufgaben gibt es nach Ansicht des IWF in allen großen Wirtschaftsräumen zu erledigen.

Detaillierte Tipps für Reformen

Europa und Japan rät der IWF zu Strukturreformen, den USA und Japan zu glaubwürdigen mittelfristigen Strategien zur Haushaltssanierung und den USA und Großbritannien zu kurzfristigen budgetären Konjunkturimpulsen. Bis auf China sei bei allen S-5 ohnehin eine weiterhin konjunkturstützende Geldpolitik nötig, so der IWF. In der Euro-Zone müsse zudem die Fragmentierung des Bankensektors mit der geplanten Bankenunion beseitigt werden. Auch in China gebe es auf etlichen Feldern Reformbedarf.
Ob die S-5-Notenbanken die Mahnung des IWF beherzigen, ist mehr als fraglich: EZB-Präsident Mario Draghi sagte gerade erst, die EZB werde an ihrer expansiven Geldpolitik so lange festhalten, wie das nötig sei. Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hatte zwar vor einiger Zeit signalisiert, dass ihre stimulierende Geldpolitik in absehbarer Zeit auslaufen könnte, jedoch hält sie den Zeitpunkt dafür für noch nicht gekommen, wie sie am Mittwoch erklärte.

Freitag, 3. Mai 2013

Dahrendorf

Das wichtigste Argument der Euro-Kritiker lautet, die Krisenländer kämen mit einem flexiblen Wechselkurs leichter wieder wirtschaftlich auf die Füße. AfD-Gründer Lucke propagiert daher die Einführung von Parallelwährungen zunächst im Süden, die schrittweise abwerten. Auch er weiß, dass ein abrupter Ausstieg aus dem Euro nicht möglich ist, deshalb will er einen gleitenden Ausstieg. Mit dem derzeitigen heterogenen Währungsgebiet kann der Euro kaum funktionieren. Es wird periodische Krisen und Verzerrungen geben. Ein Ausscheiden schwacher Länder muss möglich sein - auch um Erpressung immer neuer Hilfszahlungen vorzubeugen.
Der Versuchung, sich der Euro-Kritiker mit dem Etikett „Europa-Feinde“ zu erwehren, sollten die etablierten Parteien widerstehen. Verunglimpfung ersetzt keine Argumente und beeindruckt viele Wähler nicht mehr. „Die Währungsunion ist ein großer Irrtum, ein abenteuerliches, waghalsiges und verfehltes Ziel, das Europa nicht eint, sondern spaltet“, sagte der große Liberale Ralf Dahrendorf 1995. Heute sind die Bruchlinien überdeutlich.

Montag, 29. April 2013

Microkredite- sueddeutsche.de

Als die Studie als eine der ersten systematischen Untersuchungen über Mikrokredite 2010 erschien, löste sie große Enttäuschung aus. Doch Esther Duflo rückte das Ergebnis zurecht: Immerhin habe eine kleine Gruppe von Frauen ihren Umgang mit Geld den neuen Prioritäten angepasst. "Das Hauptziel scheint doch erreicht. Es war kein Wunder, aber es funktionierte", schrieb sie. Nur hatten sich die Verfechter der Mikrokredite eben mehr erwartet, den Rundumschlag gegen Folgen der Armut.
Welche Probleme Arme mit der Vorsorge für die Zukunft haben, zeigt sich auch an einem Projekt, das Duflo in Kenia gemacht hat. Sie und ihre Kollegen fragten sich, warum dort nur ein knappes Viertel der Bauern Dünger kaufte und einsetzte, obwohl dieser die Ernteerträge steigert und weit mehr einbringt, als er kostet. Eine randomisierte Studie zeigte dann, dass die Farmer ihn sich nicht mehr leisten konnten, wenn die Aussaat bereits erfolgt war. Dann hatten sie den Ertrag der vorigen Ernte weitgehend ausgegeben. Nur mit einer 50-prozentigen Subvention ließ sich der Anteil der düngenden Bauern jetzt noch signifikant steigern. Einen größeren Effekt brachte aber das Angebot, direkt nach der Ernte einen Gutschein für Dünger zu kaufen, der später eingelöst werden sollte - obwohl die Bauern in diesem Fall den vollen Preis bezahlen mussten. Schon ein kleiner Anschub zum richtigen Zeitpunkt, schloss Duflo daraus, könnte die Situation der Bauern nachhaltig verbessern, wenn sie sich angewöhnten, Dünger rechtzeitig zu kaufen.
"Solche Experimente helfen dabei, die Mechanismen zu verstehen, mit denen sich Armut erhält", sagt Johannes Haushofer. Der junge Wirtschaftswissenschaftler aus Bayern verbringt zurzeit mit einem Stipendium drei Jahre in Cambridge und arbeitet im Poverty Action Lab. Er verfolgt die Idee, dass Armut Stress auslöst und dieser Zustand Kaufentscheidungen derart beeinflusst, dass die Betroffenen in der Armut stecken bleiben. "Das klingt wie eine banale Hypothese, ist aber nicht leicht nachzuweisen", sagt Haushofer.
Er versucht es mit einer dreiteiligen, über mehrere Länder verteilten Studie. Zunächst hat er bei kenianischen Versuchspersonen den Spiegel von Stresshormonen im Speichel gemessen: Wenn im Jahr zuvor der Regen ausgeblieben war, lag der Spiegel tatsächlich höher. Welche Folgen eine solche hormonelle Verschiebung haben kann, testete Haushofers Team dann in den Niederlanden an lokalen Studenten. Die Versuche sind abgeschlossen, aber noch nicht veröffentlicht - offenbar bestätigen die Ergebnisse jedoch die These des bayerischen Forschers.
Versuche in Zürich zeigten zudem, welche ökonomischen Entscheidungen Probanden treffen, wenn diese bei Computerspielsimulationen gerade arm geworden waren. Die Forscher hatten sie eine dreiviertel Stunde lang eine langweilige Arbeit machen lassen, einigen der Testpersonen dann aber den Großteil des auf einem virtuellen Konto deponierten Lohns weggenommen. Die plötzliche virtuelle Armut wirkte sich auf die Psyche und die ökonomischen Entscheidungen der Probanden aus. "Sie waren ungeduldiger", sagt Haushofer, "sie wählten häufiger einen schnellen Gewinn als einen größeren in drei Monaten." Vorsorgeinvestitionen erscheinen Armen daher offenbar wie ungedeckte Schecks auf die Zukunft.
Demnächst möchte Haushofer das Computerexperiment in einem neuen Labor in Nairobi mit den Bewohnern von Slums wiederholen, sagt er. Über die Rahmenbedingungen macht er sich bereits Gedanken. Die Teilnehmer werden für die Teilnahme bezahlt, angemessen, aber nicht zu üppig, damit sich niemand auf etwas einlässt, was ihr oder ihm unangenehm wäre.
Schon jetzt werfen seine Ergebnisse ein neues Licht auf die Frage, warum die Bauern in Kenia Probleme mit dem Kauf von Dünger haben. Der Vergleich mit Probanden aus reichen Ländern belegt zudem, was Esther Duflo in ihrem Buch erklärt: "Das Verblüffende ist, dass Menschen, die arm sind, uns in fast allem gleichen. Wir haben dieselben Wünsche und Schwächen", heißt es im Vorwort. "Wir müssen uns die Zeit nehmen, ihr Leben in seiner Vielfalt und Komplexität kennenzulernen."

jewish/Fresh-Perspectives-on-Money

http://www.chabad.org/news/article_cdo/aid/2204875/jewish/Fresh-Perspectives-on-Money-and-Morality.htm

Sonntag, 29. April 2012

GAZPROM

STANDARD: Mit Ausnahme der Südländer hängt halb Europa am russischen Gashahn. Was ist so gefährlich daran? Roth: Dass wir erpressbar sind. Die Ukraine, Weißrussland, aber auch Mitgliedsländer der EU wie Polen oder Bulgarien sind bereits mit der Gaswaffe erpresst worden. STANDARD: Russland hängt andererseits von Deviseneinnahmen ab. Roth: Gasprom macht Milliardengewinne dank dieser Geschäfte. Diese kommen aber nicht der Bevölkerung in Russland zugute, sondern einer kleinen Clique. STANDARD: Man könnte auch sagen, dass gegenseitige Abhängigkeit zusammenschweißt. Bisher hat das ganz gut funktioniert. Selbst in der Zeit des Kalten Krieges ist Gas von Ost nach West geströmt. Roth: Das mag sein, ändert aber nichts am Faktum, dass damals ein totalitäres System geherrscht hat, das mit diesen Gaslieferungen gestützt worden ist. Heute ist es eine Clique im Umfeld von Gasprom, die vom Gasgeschäft profitiert und bis in den Kreml reicht.

Donnerstag, 26. April 2012

Wien - Joseph E. Stiglitz, Wirtschaft-Nobelpreisträger des Jahres 2001, glaubt, dass "Europa sich auf seinen Selbstmord hinbewegt". In einer Diskussionsveranstaltung in Wien prophezeite der Wirtschaftsprofessor gravierende Probleme, sollten die europäischen Länder auf ihren Sparkurs beharren: "Austerität, kombiniert mit den strengen Vorgaben der Eurozone könnte sich als tödliche Kombination erweisen." Die "Schmerzen (des Sparkurses, Anm.) sind nutzlos". Kredite kein Tabu Europa brauche Wachstum und für dieses Wachstum müsse eine Reihe von steuerlichen und wirtschaftspolitischen Aktivitäten sorgen: "Es gibt aber kein Allheilmittel." Die Vorschläge von Stiglitz reichten von einer Kapitalaufstockung für die Europäische Investitionsbank (EIB) bis hin zu zu einer Stärkung der Nachfrage, auch über Kredit. Als Lehre der Krise sollten die Banken aber einen geringeren Kredithebel verwenden, transparenter sein und weniger Risiken nehmen, meinte der frühere Ökonom des Weltwährungsfonds (IWF). Er trat auf einer Veranstaltung der B&C Privatstiftung auf, Anlass seines Wien-Besuchs ist die Verleihung des Houska-Preises, der größten privaten Forschungsförderungsinitiative. Er fördert angewandte Forschung zugunsten einer Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit. Der Hauptpreis mit 120.000 Euro geht heuer an die Medizinische Universität Innsbruck. (APA, 26.4.2012)