Sonntag, 29. April 2012
GAZPROM
STANDARD: Mit Ausnahme der Südländer hängt halb Europa am russischen Gashahn. Was ist so gefährlich daran?
Roth: Dass wir erpressbar sind. Die Ukraine, Weißrussland, aber auch Mitgliedsländer der EU wie Polen oder Bulgarien sind bereits mit der Gaswaffe erpresst worden.
STANDARD: Russland hängt andererseits von Deviseneinnahmen ab.
Roth: Gasprom macht Milliardengewinne dank dieser Geschäfte. Diese kommen aber nicht der Bevölkerung in Russland zugute, sondern einer kleinen Clique.
STANDARD: Man könnte auch sagen, dass gegenseitige Abhängigkeit zusammenschweißt. Bisher hat das ganz gut funktioniert. Selbst in der Zeit des Kalten Krieges ist Gas von Ost nach West geströmt.
Roth: Das mag sein, ändert aber nichts am Faktum, dass damals ein totalitäres System geherrscht hat, das mit diesen Gaslieferungen gestützt worden ist. Heute ist es eine Clique im Umfeld von Gasprom, die vom Gasgeschäft profitiert und bis in den Kreml reicht.
Donnerstag, 26. April 2012
Wien - Joseph E. Stiglitz, Wirtschaft-Nobelpreisträger des Jahres 2001, glaubt, dass "Europa sich auf seinen Selbstmord hinbewegt". In einer Diskussionsveranstaltung in Wien prophezeite der Wirtschaftsprofessor gravierende Probleme, sollten die europäischen Länder auf ihren Sparkurs beharren: "Austerität, kombiniert mit den strengen Vorgaben der Eurozone könnte sich als tödliche Kombination erweisen." Die "Schmerzen (des Sparkurses, Anm.) sind nutzlos".
Kredite kein Tabu
Europa brauche Wachstum und für dieses Wachstum müsse eine Reihe von steuerlichen und wirtschaftspolitischen Aktivitäten sorgen: "Es gibt aber kein Allheilmittel." Die Vorschläge von Stiglitz reichten von einer Kapitalaufstockung für die Europäische Investitionsbank (EIB) bis hin zu zu einer Stärkung der Nachfrage, auch über Kredit.
Als Lehre der Krise sollten die Banken aber einen geringeren Kredithebel verwenden, transparenter sein und weniger Risiken nehmen, meinte der frühere Ökonom des Weltwährungsfonds (IWF). Er trat auf einer Veranstaltung der B&C Privatstiftung auf, Anlass seines Wien-Besuchs ist die Verleihung des Houska-Preises, der größten privaten Forschungsförderungsinitiative. Er fördert angewandte Forschung zugunsten einer Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit. Der Hauptpreis mit 120.000 Euro geht heuer an die Medizinische Universität Innsbruck. (APA, 26.4.2012)
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