Der Koran verbietet Zinsen und Finanzgeschäfte, denen kein direkter Güteraustausch gegenübersteht. In dem Artikel in der Vatikanzeitung merkten die Autorinnen an, sogenannte Sukuks entsprächen dem Bedürfnis nach sicheren Investitionen. Sukuks sind Anleihen, die das Zinsverbot umgehen. Islamische Staaten, aber auch etwa das Bundesland Sachsen-Anhalt haben bereits solche Staatsanleihen emittiert.
Seine Landesanleihe hatte Sachsen-Anhalt so organisiert, dass es Immobilien für einen begrenzten Zeitraum an eine ausgelagerte Gesellschaft veräußerte und wieder mietete. Aus den Erlösen dieses Geschäfts zahlt das Land den Investoren ihre Renditen - die somit keine "Zinsen" sind. Die Scharia verbietet Muslimen aber auch Geschäfte, an denen sich nur wenige Katholiken stören: Schweinezucht oder Alkoholproduktion. Auch Investitionen in Aktien konventioneller Banken oder Versicherungen (da diese eine Art "Glücksspiel" betrieben) gelten Muslimen als verboten.
Samstag, 7. März 2009
China's Chance
Weit wichtiger ist freilich, dass China US-Anleihen kauft. Es sitzt ja bekanntlich auf Dollarbergen aus seinem Handelsbilanzüberschuss. Durch die Abwertung des Dollars sind diese Berge schon jetzt viel weniger wert. Dollar gegen eine festere Währung – den Euro – tauschen kann China aber nicht, denn in der Sekunde, in der es Dollar verkauft, fällt sein Kurs ins Bodenlose. Alles, was China kann, ist, in den USA einkaufen – Firmen, Banken, Realitäten – und das tut es auch. Aber warum Anleihen bei einem Staat kaufen, der hoch verschuldet ist? Erstens, weil die USA immer noch viel besser als China dastehen, zweitens, weil Obama auf diese Weise zu den Milliarden Dollar kommt, die er braucht, um die Wirtschaft anzukurbeln.
Und wenn ihm das gelingt, stabilisiert sich der Dollar irgendwann, und beide – China und die USA – profitieren. (Wenn es nicht gelingt, ist China allerdings bedient: Es hat dann zusätzlich zu noch wertloseren Dollarhügeln den amerikanischen Staat als riesigen, miserablen Schuldner.) Warum das Einvernehmen von Merkel, Sarkozy und Brown gut ist, ist klar: Nur Leute, die gar nichts vom Markt verstehen – Alan Greenspan gehörte dazu –, können glauben, dass er ohne Spielregeln funktioniert. Denn nur wenn alle Marktteilnehmer gleichermaßen über alle relevanten Informationen verfügen, können sie rational zu ihrem – und damit, laut Adam Smith, zu unser aller – Vorteil handeln.
Wenn man zum Beispiel nicht weiß, welches Risiko ein Derivat enthält, kann man das nicht einschätzen. Deshalb ist Transparenz eine zwingende Voraussetzung eines funktionierenden Markts. Dass sogar die Engländer gegen Steueroasen vorgehen wollen, ist geradezu eine Sensation – wenn’s wahr ist. Und warum Wirtschaftshilfe für den Osten gut ist, muss ich hierzulande nicht begründen.
Und wenn ihm das gelingt, stabilisiert sich der Dollar irgendwann, und beide – China und die USA – profitieren. (Wenn es nicht gelingt, ist China allerdings bedient: Es hat dann zusätzlich zu noch wertloseren Dollarhügeln den amerikanischen Staat als riesigen, miserablen Schuldner.) Warum das Einvernehmen von Merkel, Sarkozy und Brown gut ist, ist klar: Nur Leute, die gar nichts vom Markt verstehen – Alan Greenspan gehörte dazu –, können glauben, dass er ohne Spielregeln funktioniert. Denn nur wenn alle Marktteilnehmer gleichermaßen über alle relevanten Informationen verfügen, können sie rational zu ihrem – und damit, laut Adam Smith, zu unser aller – Vorteil handeln.
Wenn man zum Beispiel nicht weiß, welches Risiko ein Derivat enthält, kann man das nicht einschätzen. Deshalb ist Transparenz eine zwingende Voraussetzung eines funktionierenden Markts. Dass sogar die Engländer gegen Steueroasen vorgehen wollen, ist geradezu eine Sensation – wenn’s wahr ist. Und warum Wirtschaftshilfe für den Osten gut ist, muss ich hierzulande nicht begründen.
Liberalismus passe ?
Ärgerlicher freilich, weil eine arrogante Verallgemeinerung: die Tatsache, dass aus dem Versagen der Finanzmärkte en passant auf ein Versagen aller Wirtschaftszweige geschlossen wird. Die manifesten Probleme der Autoindustrie etwa und die unabwendbare Krise vieler anderer Branchen beruhen nicht auf dem Versagen des Marktes. Die Produzenten von Trabant und Lada waren mit ihren Fünfundzwanzig-Jahres-Plänen den Just-in-Time-Assembly-Lines von Saab und General Motors etwa so überlegen wie ein Heißluftballon einem Airbus 380. Der Induktionsschluss, der globalisierte Markt habe versagt, ist falsch; die Industrie gelangte lediglich in den Sog der kriseninduzierten Panik. Ebenso falsch wird daher auch die Behauptung sein, die aus der Finanzkrise resultierende Arbeitslosigkeit und die dann einmal mehr geschwächte Nachfrage seien eine Folge der Kapitalismusgläubigkeit. Was war, was ist und was noch kommt, ist ausschließlich das Resultat einer Fehlkonstruktion im Finanzgefüge.
Und exakt an diesem Punkt zeigt sich die Fehlkonstruktion des Kritikgefüges, hier wendet sich der Angriff auf den Markt zu einer Attacke gegen den Staat, auch wenn die Phalanx der Kritiker das nicht begriffen hat. Die Finanzmärkte kollabierten ja nicht deshalb, weil gierige Bankmanager das Letzte und mehr aus dem Markt herausholten. Vielmehr konnten gierige Bankmanager das Letzte und mehr aus dem Markt herausholen, weil die USA, aber auch die europäischen und asiatischen Staaten ihnen das erlaubten, weil sie also keine Gesetze und Verordnungen erlassen hatten, die einen geeigneten Rahmen für den Bewegungsspielraum der Finanzinstitute geschaffen hätten. Und gerade die Instandhaltung des Geldkreislaufs gilt als die zentrale Aufgabe der Wirtschaftspolitik.
Versagt haben also der amerikanische Präsident, weil er eine bestimmte ökonomische Ideologie verfolgte. Versagt hat der amerikanische Finanzminister, weil er kein passendes Regelwerk installierte. Versagt hat die amerikanische Zentralbank, weil sie die Schwachstellen des Systems nicht isolierte. Versagt hat die staatliche US-Börsenaufsicht, weil sie die Wertpapier- und Kreditgeschäfte nicht zu kontrollieren verstand.
Und exakt an diesem Punkt zeigt sich die Fehlkonstruktion des Kritikgefüges, hier wendet sich der Angriff auf den Markt zu einer Attacke gegen den Staat, auch wenn die Phalanx der Kritiker das nicht begriffen hat. Die Finanzmärkte kollabierten ja nicht deshalb, weil gierige Bankmanager das Letzte und mehr aus dem Markt herausholten. Vielmehr konnten gierige Bankmanager das Letzte und mehr aus dem Markt herausholen, weil die USA, aber auch die europäischen und asiatischen Staaten ihnen das erlaubten, weil sie also keine Gesetze und Verordnungen erlassen hatten, die einen geeigneten Rahmen für den Bewegungsspielraum der Finanzinstitute geschaffen hätten. Und gerade die Instandhaltung des Geldkreislaufs gilt als die zentrale Aufgabe der Wirtschaftspolitik.
Versagt haben also der amerikanische Präsident, weil er eine bestimmte ökonomische Ideologie verfolgte. Versagt hat der amerikanische Finanzminister, weil er kein passendes Regelwerk installierte. Versagt hat die amerikanische Zentralbank, weil sie die Schwachstellen des Systems nicht isolierte. Versagt hat die staatliche US-Börsenaufsicht, weil sie die Wertpapier- und Kreditgeschäfte nicht zu kontrollieren verstand.
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