Mittwoch, 18. November 2009

Chances/Risks for Currency Carry Trades

Als Currency Carry Trade (auch CCT) bezeichnet man eine Anlagestrategie auf dem Devisenmarkt. Dabei nimmt der Investor in einer Währung einen Kredit mit vergleichsweise niedrigen Zinsen auf. Das so aufgenommene Geld investiert er gleichzeitig in einer Währung mit vergleichsweise hohen Zinsen. Es handelt sich hier nicht um risikoarme Arbitrage. Der Investor trägt sowohl das Wechselkursrisiko als auch das Zinsänderungsrisiko.

Die Rendite der Currency Carry Trades setzt sich entsprechend aus zwei Komponenten zusammen: zum einen die Differenz zwischen Haben- und Sollzins, zum anderen der Ertrag/Verlust aus der Wechselkursentwicklung.

Carry Trades

Carry Trades sind schwer zu messen, und Experten sind sich uneins, in welchem Ausmaß Geldströme davon motiviert werden. Nouriel Roubini, Professor an der New York University, warnte Anfang dieses Monats davor, dass die Niedrigzinspolitik der Fed eine „Monsterblase“ erschaffen werde, da sie die Vermögenspreise mit einer Flut billigen Geldes in Höhen hebe, die nicht aufrecht zu erhalten seien.

Nach Untersuchung von Daten zu Handels- und Geldströmen gelangt UBS-Volkswirt Larry Hatheway zu dem Schluss, dass Carry Trades keinen zentralen Auslöser darstellen. „Die Kurszuwächse sind in erster Linie ein Spiegelbild der sich verbessernden Fundamentaldaten, wozu die sich abzeichnende weltweite Konjunkturerholung, die Stärke der Schwellenländer und wieder ansteigende Unternehmensgewinne zählen“, schrieb er am 12. November. Er ergänzt jedoch: „Es ist zugegebenermaßen sehr schwer, schuldengetriebene Vermögenspreisblasen in Echtzeit zu erkennen.“

Ein positives Zeichen?

Andere Marktbeobachter sehen in Carry Trades dagegen einen möglichen Haupttreiber der täglichen Marktbewegungen. „Der Einfluss der Carry Trades ist enorm“, sagt Marc Chandler, Chefwährungsstratege von Brown Brothers Harriman.

In gewisser Hinsicht könnte die Diskussion über Carry Trades sogar ein positives Zeichen für die Weltwirtschaft sein. Carry Trades seien ein riskantes Geschäft, und Risikobereitschaft gelte häufig als „Merkmal gesunder Märkte“, sagt Bill Larkin, Rentenportfoliomanager bei Cabot Money Management.

Mit niedrigen Zinsen sollen die wirtschaftliche Aktivität und Investitionstätigkeit angekurbelt werden. Gemessen an den haussierenden Aktien- und Rohstoffmärkten scheint diese Strategie aufzugehen. „Billiges Geld bahnt sich seinen Weg auf den Aktienmarkt“, sagt Peter Cardillo, Chefvolkswirt bei Avalon Partners.

Carry Trades können mit einem großen Schock enden

Die große Sorge ist, dass die derzeitige Praxis nicht nachhaltig ist. „Am Ende der Carry Trades steht immer deren Auflösung“, warnt Chandler. Da man Geld zu niedrigen Zinsen leiht und höher verzinslich anlegt, lässt sich mit diesen Geschäften nur Geld verdienen, solange die zugrunde liegenden Trends gleich bleiben. Steigen Zinsen oder Wechselkurse, „können sich viele Menschen die Finger verbrennen“, sagt er.

„Das plötzliche Ende der Carry Trades kann eine große Schockwelle auf den Finanzmärkten auslösen“, sagt Gambera. „Destabilisierungspotential ist immer vorhanden“, fügt er an.

Carry Trades seien ihrerseits ein Zeichen von Instabilität. Letztlich „müssen wir diese Extreme beenden und zu einer normalen Politik zurückkehren“, sagt Larkin. Stiegen die Zinsen jedoch zu schnell, bestehe die Gefahr eines Rückfalls in die Rezession.

Politische Entscheider wie Bernanke stehen vor einem schwierigen Balanceakt. Der Fed-Präsident spricht beständig davon, dass der Leitzins noch „für längere Zeit auf einem außergewöhnlich niedrigen Niveau“ belassen werde, zuletzt in seiner Rede am 16. November. Um den Dollar nicht zu stark unter Druck zu setzen, fügte er jedoch in derselben Rede an, dass die Fed „dazu beitragen werde, dass der Dollar stark und eine Quelle globaler Finanzstabilität bleibt.“

Ähnlich müssen auch Regierungsvertreter argumentieren. Präsident Obama und Finanzminister Geithner versuchen auf der einen Seite, die Konjunktur anzukurbeln und die Finanzkrise einzudämmen, während sie auf der anderen Seite eine Verringerung des massiven Haushaltsdefizits versprechen. „Der Übergang muss allmählich verlaufen und darf nicht schlagartig erfolgen“, sagt Larkin.

Das Risiko einer Dollarkrise

Da Bernanke nicht müde wird, seine Unterstützung niedriger Zinsen zu betonen, könnten Carry Trades noch längere Zeit lukrativ bleiben. Bei der Verfolgung dieser Strategie gibt es jedoch zwei gewichtige Risiken.

Erstens könnte der Dollar durch eine ausgeprägte Krise oder eine internationale Notsituation in die Höhe getrieben werden. Als Lehman Brothers vor einem Jahr Insolvenz anmeldete, stieg der Dollarkurs sprunghaft, als Anleger scharenweise Zuflucht in der liquidesten Währung der Welt suchten.

Einige warnen zwar davor, dass der Dollar seinen Sonderstatus verlieren könnte, es gibt jedoch derzeit nur wenig Alternativen. Trotz seines Wertverfalls „steht der Dollar als sicherer Hafen außer Frage“, sagt Reena Aggarwal, Finanzprofessorin an der Georgetown University.

Das zweite Risiko besteht darin, dass die amerikanische Wirtschaft die Rezession schnell hinter sich lassen könnte, woraufhin Bernanke zu einer Abkehr von der Niedrigzinspolitik gezwungen wäre. Marktteilnehmer durchleuchten die Konjunkturdaten fortlaufend nach Anzeichen einer solchen Entwicklung. Das Niedrigzinsniveau in Japan sorgte jahrelang für florierende Zinsdifferenzgeschäfte, bis Ende 2008 im Zuge der Finanzkrise ihr abruptes Ende kam.

Niemand kann mit Sicherheit sagen, ob das Phänomen der Carry Trades mit dem Dollar Monate oder noch Jahre anhalten wird. Die Märkte sind bekanntermaßen unberechenbar, insbesondere in Zeiten des wirtschaftlichen Wandels. Vieles hängt davon ab, ob die in diesem Jahr eingetretene rasante Aufwärtsbewegung der Aktienkurse und anderer Vermögenswerte durch Daten aus der Realwirtschaft untermauert werden kann. Andernfalls könnte die Diskussion über eine neuerliche Blase auf den Finanzmärkten gerechtfertigt sein.